Fotografieren im Winter

Das Fotografieren im Winter kann schnell einmal eine Hand voll unerwarteter Probleme auf werfen.

die Motivsuche

Dass sich die zu findenden Motive von denen der restlichen Jahreszeit unterscheiden wird vermutlich jedem klar sein. Makrofotografen verfluchen ihn, weil sie ohne Insekten und Pflanzen aus kommen müssen. Ein kleiner Trost sind vielleicht die unzähligen, oft extrem kurzlebigen Strukturen die sich aus Eis und Schnee formen können. Für die Tierfotografen ist er oft ein großer Segen. Bei einer geschlossenen Schneedecke sind viele Bilder von Tieren auch in grellem Sonnenlicht noch gut ausgeleuchtet möglich. Die Ganze Landschaft wirkt wie ein riesiger Reflektor, die Schatten des Motivs werden aufgehellt. Nun, und die Landschaftsfotografen werden sich einfach einmal über die Abwechslung freuen können. Wobei der Winter aber nicht die klassische Jahreszeit ist um Infrarot- Aufnahmen zu machen. Sie würden schlicht weg „zu normal“ aus sehen. Aus Mangel an grünen Pflanzen ist der so beliebte IR- Look einfach schlecht zu erreichen, auch wenn man mit dem dunklen Himmel und Wasser bzw. Eis spielen kann.
Zwischen November und April ist in der Regel auch gar kein Platz für Segelfotografie. Wenn das Wasser zu kalt ist fahren einfach kaum Boote, und auch als Fotograf auf dem Wasser ist es weniger angenehm. Spätestens bei einer geschlossenen Eisdecke kommt man vielleicht noch in die glückliche Lage einen Eissegler in seiner näheren Umgebung vor zu finden.
Das sind natürlich alles keine glasharten Vorschriften sondern Tendenzen. Kreativität ist gefragt, probiert herum und sucht euch eure Motive, ganz egal was mache Leute irgendwo im Netz behaupten :)

die Kälte

Das größte und vor allem unmittelbarste Problem im Winter ist die Kälte. Wenn der Körper auskühlt fangen Ohren, Füße und Hände zuerst an zu frieren und werden unbeweglich. Sobald die Hände ihren Dienst verweigern kann man dann alles zusammen packen und nach Hause gehen, der Rest wäre nicht ganz so schlimm. Um dem vor zu beugen ist es wichtig sich vorher entsprechend ein zu kleiden. Es ist eben wichtig den ganzen Körper warm zu halten, dann frieren auch Hände und Füße nicht. Um die Hände warm zu halten sind gute Handschuhe nötig, man sollte hier nicht sparen. Sie müssen warm sein (Stativ, Kamera und Objektiv sind oft aus Metall und daher „besonders kalt“ wenn man sie anfassen muss) und zugleich eine gute Bedienung der Kamera erlauben. Dünne Unterhandschuhe in Kombination mit dickeren Handschuhen bieten sich an. Die dicken werden bei Aktionen aus gezogen und mit den dünnen die Kamera bedient. Um dich richtige Anzahl an Kleidungsschichten zu wählen ist neben dem herrschenden Wetter die Frage wichtig, ob und wie viel man sich bewegt. Ein ausgedehnter Spaziergang oder ein mehrstündiger Ansitz auf Tiere in einem Versteck?

mit Bewegung

Ob nun der Spaziergang oder gymnastische Dehnungsübungen am Makrostativ, es wird einem nicht so schnell kalt. Also ruhig eine Schicht weniger an ziehen und dafür beweglicher bleiben. Funktionsunterwäsche kann helfen Schweiß bei großen Anstrengungen besser vom Körper weg zu führen. Sollte es danach wieder ruhiger werden kühlt der Körper nicht durch den Schweiß zusätzlich aus.

der Ansitz

Hier ist es nötig sich alles an zu ziehen was man zur Verfügung hat und mit einmal tragen kann. Wenn man einfach nur sitzt und wartet, vielleicht auch noch im Wind, dann kühlt man sehr schnell aus. Ich musste vor wenigen Tagen bei – 6 °C und knappen 4 Windstärken mit 2 Unterhosen, einer Jeans, 2 gefütterten Hosen, 2 Socken (einmal dick), Stiefeln, Funktionshemd, Hemd, 2 Fleecepullovern, dicker Winterjacke, 2 Paar Handschuhe und einer Sturmhaube nach knapp 2 Stunden das Handtuch schmeißen. Um bei evtl. zu wenig Schichten noch ein Stündchen raus zu holen empfiehlt es sich eine Thermokanne mit Heißgetränk ein zu packen, mit der man sich innerlich und auch die Hände an der Tasse auf wärmen kann. Sobald es gerade nichts zu fotografieren gibt gehören die Hände in eine warme Versenkung. Ob Tasche, dickere Handschuhe oder ein Muff ist beliebig. Wenn es dennoch kritisch wird können kleine Taschenöfen eine wohlige Wärme- Reserve dar stellen und die Finger beweglich halten für den entscheidenden Moment. Wenn man zu Fuß oder mit dem Rad zu seinem Spot reist, kann es schnell zu einem sehr unangenehmen Phänomen kommen. Durch die Bewegung wird einem warm. Da man aber so dick eingepackt ist wird einem zu warm, man fängt an zu schwitzen. Sobald man im Ansitz ist kühlt man aus und es wird durch den Schweiß noch einmal besonders kalt. Das kann tödlich sein, darum geht es erst einmal darum die Wärme los zu werden, bevor man zu schwitzten beginnt. Am besten klemmt man sich die Jacke erst einmal auf den Gepäckträger und zieht sie erst unmittelbar vor dem Ansitz an. Es kann auch nützlich sein sich dünner an zu ziehen und vor Ort in einen alten Schlafsack zu steigen, bei dem man das Fußende heraus getrennt hat. Seit kreativ!

die Sache mit der Ausrüstung

Der Winter hält nicht nur Tücken für den Fotografen bereit, sondern auch für sein liebstes und wertvollstes – für seine Ausrüstung. Stative und Kamera bzw. Objektive sind oft aus Metall gefertigt, wenn man dieses längere Zeit anfasst kühlen die Hände sehr rasch aus. Viele Stative besitzen Schaumstoff- Griffe an den Beinen. Zum Transport oder zur Ausrichtung sollten sie möglichst nur hier angefasst werden. Bei Kamera und Objektiv muss man leider in den sauren Apfel beißen, es helfen nur gute Handschuhe.
Die Akkus der Kameras haben in der Kälte eine sehr kleine Kapazität. Auch wenn er gerade auf geladen wurde, kann es sein dass er nach wenigen Hundert Aufnahmen schon wieder als leer erkannt wird. Man sollte also genug Ersatz auf Tasche haben, und zwar im Wortwörtlich. Wenn man ein oder 2 Ersatzakkus nah am Körper trägt kann man sie länger und besser in der Kamera nutzen.
Man sollte gut auf passen wohin man atmet. Ein kräftiges Ausatmen in Richtung Kamera lässt schnell das Okular oder auch das Display auf frieren und man sieht gleich gar nichts mehr.
Eine sehr oft unterschätze oder ignorierte Gefahr für die Ausrüstung tritt auf, sobald man wieder im Warmen an gekommen ist. Die Kamera und die Objektive dürfen NIEMALS direkt nach dem Fotografieren ausgepackt und in den Raum gelegt werden! Sie befinden sich in der Regel auf Außentemperatur und sind somit sehr kalt. Durch einen bekannten Effekt kondensiert jetzt Feuchtigkeit aus der Raumluft, die einfach immer vorhanden ist, an der teuren Ausrüstung. Und anders als vll. bei einem Regen bildet sich da Kondenswasser auch im Inneren der Geräte. Nun korrodieren die Kontakte und elektronischen Bauteile, das hat dann einen Totalschaden zur Folge. Nicht unbedingt nach einem mal, aber auf Dauer ist das Gift für die teure Elektronik. Ich lasse den Rucksack mindestens 2 Stunden im Zimmer liegen um den Inhalt auf Temperatur zu bringen. Man kann das beschleunigen in dem man den Rucksack öffnet und mit einem Pullover oder Tuch ab deckt. Der Wärmeaustausch geht nun schneller als durch den dicken Rucksack oder die Tasche, aber es kommt keine Luftströmung zu Stande und somit gelangt auch nur sehr wenig bis gar keine Feuchte Raumluft an die Ausrüstung. Soll es noch schneller gehen, weil ganz ganz tolle Bilder auf der Speicherkarte sind die sofort gesichtet werden müssen, kann man diese auch ganz schnell aus der Kamera nehmen und 5 Minuten in die Hosentasche stecken, währen die Kamera ganz schnell wieder in die Tasche wandert und ganz langsam warm werden kann.

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