Panorama mit Nodalpunktadapter

Ein Panorama ist ein Bild welches sich durch sein besonders extremes Seitenverhältnis auszeichnet. Ab einem Seitenverhältnis von 1:2 und noch breiter spricht man von einem Panorama. Klassischerweise handelt es sich dabei um ein Querformat, jedoch sind prinzipiell auch Hochformate möglich. Man könnte sich nun einfach eine Normale Aufnahme nehmen und jeweils oben und unten extrem viel wegschneiden, um das Panoramaformat zu erhalten. Das hat aber wenigstens 2 Nachteile:

  • Verlust von Pixeln – man schneidet ja das meiste einfach weg. Das resultierende Bild kann man nur schwerlich größer als 20 cm ausdrucken.
  • Viele Panoramaaufnahmen decken einen sehr weiten horizontalen Bildwinkel ab, nicht selten 180 oder sogar bis 360 °. Mit normalen Objektiven ist so ein Bild gar nicht möglich.

Also, was ist des Rätsels Lösung? Genau, wir machen einfach mehrere Aufnahmen und fügen diese am PC dann zu einem großen Bild zusammen! Aber bei der Aufnahme muss auf ein paar Dinge Acht gegeben werden, damit das zusammenbasteln am PC nicht zur Qual wird. Wie man das am PC bewerkstelligen kann ist hier nach zu lesen.


Bilder orientieren

Zuerst einmal müssen die aufeinander folgenden Bilder alle überlappen, und zwar um aller mindesten 15 %, besser sind 25 %. Dieser Überlappungsbereich ist wichtig damit die Software später die Aufnahmen richtig zueinander ausrichten kann, und um auf jeden Fall sicher zu stellen, dass nicht irgendwo ein Pixel zwischen den Aufnahmen fehlt. Ein großer teil der aufgenommenen Daten ist somit zwar doppelt und „frisst nur Speicherplatz“, aber ohne geht es halt nicht.
Die meisten Panos werden als Einzelbilder im Hochformat aufgenommen. Das bedeutet zwar, dass man ein oder 2 Bilder mehr aufnehmen muss um seinen Bildwinkel ab zu decken, aber dafür können die Bilder an der langen Seite (entsprechend genauer) zueinander orientiert werden, und man gewinnt enorm an Auflösung des resultierenden Panoramas (bei mir z.B. 4688 Pixel in der Höhe statt anders herum „nur“ 3124 Pixel). Es muss auch davon aus gegangen werden, dass später noch Teile abgeschnitten werden, weil z.B. der Horizont nicht ganz genau in der Wage liegt. Man kann nie genug Pixelreserven haben!

Kameraeinstellungen

Die Kameraautomatik ist bei Panos regelrechtes Gift! Es ist wichtig so viel wie möglich manuell ein zu stellen. Die Überlappungsbereiche (und damit die ganzen Bilder) müssen ja möglichst genau gleich sein, damit sie später zusammen passen. Also:

  • Fokus zu Anfang einmal einstellen (auch AF möglich), danach für alle Aufnahmen auf MF stellen und nicht mehr anfassen!
  • Belichtung Manuell! Unbedingt im M- Modus arbeiten. Man kann ja vorher in Av messen und sich die Werte merken, eine Probeaufnahme ist in jedem Fall angebracht bevor alle Aufnahmen gemacht werden.
  • Weißabgleich fest! Ein automatischer Weißabgleich würde zu ganz eigenen Farbverläufen im fertigen Pano führen. Für die Leute die mit RAW- Aufnahmen arbeiten hat das keine Relevanz, sie müssen nur am PC zuvor alle Aufnahmen mit dem gleichen Weißabgleich (und sowieso mit allen Einstellungen gleich und „nicht automatisch“) die Bilder entwickeln.


Standpunkt

Man kann die Einzelaufnahmen theoretisch aus der Hand machen, jedenfalls geht das wenn man im Bild keinen nahen Vorder- und fernen Hintergrund hat. Falls doch dann kommt der sogenannte Paralexeneffekt zustande. Die Bilder sind dann, insbesondere im Überlappungsbereich, nicht mehr gleich. Es können nicht mehr alle Bildelemente zur Deckung gebracht werden. Damit ist die Software dann ausgehebelt und macht dicke Backen. Dennoch sind schnelle Panos aus der Hand, gerade mit etwas längeren Brennweiten ab ca. 40 mm, gut und gerne möglich. Man sollte darauf achten bei den Aufnahmen nicht die Kamera um seinen eigenen Körper zu rotieren, sondern die Kamera um sich selber zu drehen, um den Paralaxeneffekt ein wenig ab zu schwächen. Besonders bei aus der Hand- Aufnahmen ist es noch möglich, dass aufgrund fehlender Orientierung am Horizont die Ganze Bilderreihe schief wird. Es kommt hier oft zu großem Verschnitt im Nachhinein am PC, genug Pixelreserven sind also unabdingbar, lieber etwas mehr aufnehmen als man eigentlich will!


Stativ und Nodalpunktadapter

Eine wesentlich bessere Idee ist es, wie eigentlich immer, ein Stativ ein zu setzen. Steht die Kamera „genau im Wasser“ ist alles gerade und man hat quasi keinen Verschnitt mehr vor zu nehmen. Man sollte nun denken, dass alle Probleme gelöst sind, dem ist jedoch nicht ganz so. Bei einem sehr nahen Vorder- und einem sehr fernen Hintergrund kann es immer noch zum Paralaxeneffekt kommen. Es gibt jedoch einen bestimmten Punkt der Kamera, den so genannten Nodalpunkt (umgangssprachlich, eigtl. Ist die Bezeichnung ja falsch), um den man die Kamera in allen 3 Achsen rotieren kann, ohne dass eine Paralaxe auf tritt. Über den Daumen ist es bei den meisten Objektiven genau der Punkt mitten in der Blendöffnung. Nun ist es wichtig einen entsprechenden Stativkopf zu haben, der die Rotation um genau diesen Punkt ermöglicht.

Einen solchen Nodalpunktadapter, Marke Eigenbau, nutze ich seit geraumer Zeit selber. Die Aufnahmemöglichkeiten sind einfach atemberaubend, und ich muss jedem ein solches Teil empfehlen, der sich ernsthafter mit Panoramaaufnahmen beschäftigen möchte. Sie sind mittlerweile auch immer billiger geworden, so dass kein allzu tiefes Loch in die Geldbörse gerissen werden muss. Das tolle an diesen Teilen ist, dass man sogenannte Multi- Row Aufnahmen machen kann. Also einfach zwei oder 3 Bilder- Reihen übereinander. Damit lassen sich dann extreme Weitwinkel simulieren, oder aber enorme Auflösungen erreichen. Viele Rekord- Panos von Städten wurden auf diese Art und Weise mit Telebrennweiten auf genommen.

Wer genau hin sieht erkennt, dass bei meinem Kopf nur eine Achse genau durch den Nodalpunkt verläuft (die Z- Achse, also für horizontale Rotation). Es kommt also bei Multi- Row Aufnahmen bei mir zu einem, wenn auch relativ kleinen, Paralaxeneffekt. Da die meisten Aufnahmen welche ich mache Single- Row sind kann ich das aber durchaus verschmerzen. Ohne den Batteriegriff, dessen Stativanschluss dummer Weise nicht genau in der optischen Achse des Obejektives liegt, kommt das aber wirklich genau hin, und es stehen alle Möglichkeiten offen.

Du kannst in diesem Artikel weiter lesen, wie die Einzelbilder am PC verarbeitet werden können, um ein fertiges Panorama zu erhalten.

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