Das Stativ

Es gibt sie von 5,- bis hin zu über 1000,- Euro zu kaufen. Doch wozu braucht man das eigentlich, kann solch ein Gegenstand überhaupt so viel Geld wert sein? Die Antwort lautet ganz klar (und ihr kennt sie weil ich einen Eintrag hierzu schreibe): JA! Man braucht es eigentlich immer und gerade deswegen schneidet man sich ins eigene Fleisch wenn man beim Stativ spart. Es ist wohl so ziemlich der meist unterschätze Ausrüstungsgegenstand.

Was macht ein Stativ? Es hält die Kamera und das Objektiv in gewünschter Position. Im Grunde ist es das auch schon, zu simpel oder?

Und wann braucht man so etwas? Nun man benötigt es zwingend sobald die Belichtungszeit zu lang wird (also Pi mal Daumen Quadrat: alles was länger ist als „1/Brennweite“ ist). Aber auch wenn die Belichtungszeit sich nicht in kritischen Bereichen bewegt sollte ein Stativ einfach Pflicht sein.
Nicht nur, dass es einem die Arbeit erleichtert (kiloschwere Kameras brauchen nicht stundenlang gehalten zu werden), es ermöglicht auch ein sehr präzises Arbeiten. Ohne Anstrengungen (Kamera halten, womöglich in nicht physiologischen Körperstellungen) kann der Bildausschnitt auf den Pixel genau eingestellt werden. Wenn man sich erst einmal die "Mühe gemacht" hat das Stativ auf zu bauen (was im Grunde gar keine Mühe ist), dann achtet man auch automatisch sehr viel mehr auf die Bildkomposition. Dies ist wirklich kein zu unterschätzender Aspekt und oft der Schlüssel zu einem besseren Bild.
Nach dem ein erstes Foto gemacht wurde, und das Auge vom Sucher genommen wird um das Ergebnis zu betrachten, ist ein neues Foto mit exakt gleichem Bildausschnitt und Fokus, aber mit möglicherweise korrigierter Belichtung, möglich. Oft wird auch Ausschnitt und Fokus fest gelegt und einfach gewartet. Im richtigen Moment (eine Welle kommt an gerollt oder die Sonne ist kurz zu sehen) kann dann ganz bequem via Kabelauslöser die Aufnahme gemacht werden.

Um ein Stativ kommt man eigentlich nicht herum, da kann man sich drehen und wenden wie man will. Ich mache mindestens 90 % meiner Aufnahmen mit einem Stativ. Das Spektrum reicht vom Tele bei der Tierfotografie (das ist einfach Sau schwer auf Dauer) über die Makrofotografie (jeder halbe mm Kamerabewegung ist in dem veränderten Schärfepunkt des Bildes erkennbar) bis zur Landschaftsfotografie (Ultra- Weitwinkel Objektive lassen sich sehr mühselig per Hand ausrichten und sind anfällig für winzige Abweichungen in der Komposition, außerdem sind Belichtungszeiten im Sekundenbereich eher die Regel als die Ausnahme). Gute Panoramen wären aus der Hand gar nicht denkbar. Ohne Dreibein bin ich eigentlich nur beim Segeln unterwegs. Wenn der Untergrund schon stark wackelt, dann kann man dieses grobe Schaukeln ein wenig mit seinem Körper aus gleichen. Der Anspruch an eine gute Bildkomposition ist hier um einiges höher! Aber auch hier habe ich mir ein Deckstativ gebaut, um das Boot scharf zu halten und durch lange Belichtung bewusst das Wasser zu verschmieren.

So, nun ist die Frage welches Stativ denn das richtige ist? Es gibt im Grunde 3 Kriterien, welche von jedem Fotografen selbst gewichtet werden müssen. Es ist jedoch leider nicht möglich, alle 3 unter einen Hut zu bringen. Bei mindestens einem Müssen Abstriche gemacht werden:

  • hohe Stabilität
  • geringes Gewicht
  • kleiner Preis

Im Endeffekt kommt man irgendwann da hin, vor allem auf Stabilität und Gewicht zu setzen. Je mehr man die Vorzüge eines Stativs zu schätzen lernt, desto mehr rückt der Preis in den Hintergrund. Oft weichen auch die Anforderungen, je nach Motiv und Art der Fotografie, so stark von einander ab, dass es sich lohnt 2 oder 3 Stative an zu schaffen (z.B. ein Carbonstativ für leichtes Reisen und ein Holzstativ für raue Einsätze und das schwere Tele). Es läßt sich verallgemeinern, dass Holz sehr stabil, Carbon sehr leicht und Aluminium relativ günstig ist.
Darüber hinaus gibt es natürlich noch eine Riesen Menge an zusätzlichen Features und Ausstattungen die man mehr oder weniger benötigt. Mit oder ohne Mittelsäule? Umlegbare Mittelsäule? Nivelliersockel? Minimale Arbeitshöhe? Maximale Arbeitshöhe? Tragfähigkeit? Packmaß? Dichtungen? Art der Beinverrigelung? Langlebigkeit / Qualität? Und natürlich die elende Frage welcher Stativkopf denn am geeignetsten ist. Hier ist jedoch das schöne, dass Stative modular aufgebaut sind und ein Kopf jeder Zeit einmal gewechselt werden kann. Einige Hersteller bieten dies auch für Mittelsäulen, Nivelliersockel usw. an. Ach, und nicht zu vergessen sind speielle Bodenstative, es muss ja nicht immer ein großes und teures Dreibein sein. Bohnensäcke gibt es z.B. für wenige Euros, sie sind gerade bei extrem bodennahmem Arbeiten durch nichts zu ersetzen. Mit einem alten Kissenbezug und Füllung nach Belieben kostet er fast nichts (siehe Bild).

Der Markt ist riesig und kaum überschaubar. Ich will hier auch nicht versuchen ansatzweise ins Detail zu gehen, denn sogar das würde schon den Rahmen sprengen! Wichtig ist, dass man das Ding auch wirklich benutzt, wenn man es dann hat. Und einfach aus Faulheit das Stativ zu hause lassen ist bei mir gar nicht mehr drin (außer beim Familien- Spaziergang :) ). Der Aufwand lohnt sich in jedem Fall!

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