Frühblüher fotografieren

Fotos von klassischen Frühblühern wie Schneeglöckchen, Märzbechern, Krokusen oder auch Buschwindröschen sind nicht zwingender Weise auch klassische Makroaufnahmen. Will man die komplette Pflanze abbilden, und nicht nur die Blüte, so benötigt man nicht zwingender weise ein Makroobjektiv welches den Maßstab 1:1 eröffnet. Die meisten Telebrennweiten lassen sich auch ohne Zwischenring nah genug fokussieren um ein Schneeglöckchen formatfüllend abzulichten. Eine Telebrennweite von 200 mm aufwärts hat darüber hinaus den Vorteil gegenüber einem „normalen“ 100 mm Makro (und selbstverständlich auch gegenüber einem 50 mm Makro), dass sich die Pflanze sehr gut vom Hintergrund frei stellen lässt und diesen wunderbar verwischt.

Ich habe hier kurz mein Herangehen an solch ein Foto dokumentiert. Kamera mit 500 mm Objektiv liegt extrem flach auf einem selbst gebauten Bohnensack. Das niedrige Arbeiten gewährleistet mir, dass möglichst viel Raum zwischen der Pflanze und dem Hintergrund vorhanden ist. Ich erreiche so eine optimale Freistellung. Ein weiterer Vorteil ist, dass über den fast 2 Meter Kamera- Motiv- Abstand immer mal wieder ein Blatt oder ein Stock kurz vom Boden empor steht. Da sich diese Elemente nicht in der Schärfenebene befinden erzeugen sie einen seichten Schleier am unteren Bildrand. Dieser Schleier überdeckt mir den unmittelbaren Bodenbereich um die Pflanze herrum, welcher eben sonnst scharf abgebildet werden würde. Hinzu kommt mein Rucksack rechts im Bild der den Wind etwas brechen soll (1/30 s ist hier sehr kritisch was Motivbewegungen an geht). Das Stativ soll eigentlich den Reflektor halten, ich habe ihn aber nachher in die Hand genommen, damit war eine genauere Ausrichtung möglich. Dann bleibt noch zu sagen dass ich 10 min vor Sonnenaufgang bereits alles aufgebaut und die beste Bildposition bestimmt hatte. Ich war also ca. 30 min vor Sonnenaufgang vor Ort. Und genau zum Sonnenaufgang konnte ich dann mein Bild machen, mit herrlich intensivem Sonnenschein von leicht hinten links auf den etwas ansteigenden Waldboden / Hintergrund.



Selbstverständlich kann man (soll man!) auch mit klassichen Makroobjektiven rum spielen. Ich versuche immer (oft in Kombination mit einem Telekonverter für etwas mehr Brennweite) das Motiv ganz knapp zwischen anderen Elementen im Vorder- oder Hintergrund frei zu stellen. Wenn man es richtig macht, dann hat man einen weichen Rahmen ohne Schärfeverläufe um sein Blütendetail herrum und es ist wunderbar vom restlichen Universum frei gestellt. Eine Blüte aus einer Schneeglöckchenkolonie mit einem großen 500 mm Objektiv frei zu stellen ist sicherlich recht mühsam (schwer, sehr präzise Ausrichtung nötig, Zwischenringe erforderlich). Für solche klassischen Makro- Motive würde ich immer zu einem handlicheren Makroobjektiv greifen, evtl. in Kombination mit einem Telekonverter.

Wie immer versteht sich das hier nur als eine Anregung, das Ergebnis ist das was zählt! Es spricht ebenfalls nichts dagegen mit einem Weitwinkelobjektiv auf die Jagd zu gehen, nur muss dafür auch das weitere Umfeld möglichst fotogen abgestimmt sein. Das ist also mitunter ein noch sehr viel anspruchsvolleres Unterfangen! Achja, selbstverständlich lassen sich die hier vorgeschlagenen Herrangehensweisen auch auf andere Pflanzen und Blüten Übertragen...

Creative Commons Lizenzvertrag Impressum