Uhrzeit planen

"Der frühe Vogel kann mich mal!"
Nunja, damit ist es leider nicht ab getan. So gerne ich auch lange schlafe, auf das Licht der frühen Morgen- Stunden möchte ich nur ungern ungern verzichten müssen. So schwer es auch ist wenn der Wecker sich bemerkbar macht :)

Was fällt denn nun auf, wenn wir uns einmal einen typischen Tagesverlauf an sehen? Finden sich eventuell Alternativen zum frühen aufstehen?

Ich nehme hier einfach an, dass die Sonne um 7 Uhr auf und um 19 Uhr unter geht. Ich gehe ebenfalls von einem wolkenlosen Schönwetter- Tag aus. Bei Bewölkung oder gar Regen würde der Verlauf etwas anders aus sehen.

Was auffällt ist ein breites Mittags- Loch. Am hellerlichten Tage ist das fotografieren einfach schlecht. Die sonne steht sehr hoch und strahlt sehr stark. Wir haben harte und sehr kontrastreiche Schatten, oft wird der Dynamikberiech der Kamera überschritten. Die Farben in den Bildern sind nur schwer mit etwas Sättigung zu füllen, viel zu viele helle Reflexionen finden sich auf den Motiven. In der Makrofotografie hilft hier nur der Einsatz von Diffusor oder Fotografieren im Schatten. Landschaftsfotografen gucken ziemlich in die Röhre, und auch Tierfotografen müssen sehr aufpassen. Segelfotografen müssen sich eben arrangieren, die meisten Boote / Regatten sind zu dieser Zeit zu finden. Einzig die Infrarotfotografie zieht Vorteile aus den starken Kontrasten, wird sie ja auch oft als Schönwetterfotografie bezeichnet.

Jeweils zum Sonnenaufgang oder -untergang finden sich dann die Attraktivitätsspitzen. Hier ist das Licht weich, die Farben gesättigt und sehr warm. Es finden sich oft sehr ungewöhnliche und spezielle Lichtsituationen. Motiven genau gegen das Licht auf zu nehmen oder eine wunderbar gleichmäßige Ausleuchtung wenn man die Sonne im Rücken hat. Der Kreativität und dem Spieltrieb sind hier keine Grenzen gesetzt. Doch Vorsicht - Schnulzbild- Gefahr! Zu verschulden hat das vor allem der tief stehenden Sonne und die langen Schatten.

Die Zeit vor Sonnenauf- bzw. nach Sonnenuntergang wird als blaue Stunde bezeichnet. Sie zeichnet sich durch sehr sehr weiches Licht und ganz eigene Farbstimmungen aus. Man braucht hier sehr schnell lange Belichtungszeiten, wer also diese Spielwiese betreten möchte muss sich unbedingt ein Stativ unter den Arm klemmen. Der Übergang zwischen Tag und Nacht ist eigentlich ein Kapitel für sich, und kann ohne weiteres spannender sein als der Sonnenutnergang an sich. Der Horizont ist noch lange rötlich von der bereits untergegangenen bzw. bald aufgehenden Sonne gezeichnet. An der Steilen Steigung der Kurve lässt sich auch erahnen wie schnell sich hier die Lichtstimmungen ändern. Für einen Fotografen bedeutet das in der Regel puren Stress. Man ist dauernd auf Achse um seine Motive ein zu fangen, während das Licht sich alle 10 Minuten komplett verändert.

Wer genau hin sieht bemerkt, dass die Attraktivität auch während der Nacht nicht auf Null abfällt. Komisch oder, da ist doch gar kein Licht mehr? Quatsch, wir haben Nachts sehr wohl Licht. Und dazu braucht es noch nicht einmal Vollmond, allein die Sterne sind Motiv genug um sich Stunden lang mit ihnen zu beschäftigen. Man braucht nur ein Stativ, eine warme Decke und vielleicht ein Buch um die Zeit tot zu schlagen...

So weit ist der Tagesablauf ja ziemlich symmetrisch zur 12 Uhr Zeit. Also warum nicht einfach abends fotografieren, dann kann man ja morgens aus schlafen? Ich sehe jedoch die Morgenstunden als noch fruchtbarer an als die Abendstunden, zu mindestens in den meisten Fällen. Vom Licht sind sie beide tatsächlich ziemlich ähnlich, aber der Sonnenaufgang hat auch noch andere Vorzüge. So findet sich Tau oder Reif nur in den frühen Morgenstunden, weil dieser sich eher über Nacht bildet. Das kann ein tolles Bokeh bei der Makrofotografie bedeuten (Stichwort Unschärfekreise). Ausserdem befinden sich viele Insekten morgens noch in einer Kältestarre (wechselwarme Tiere) und lassen sich so ohne Probleme ganz bequem fotografieren, inklusive der tausend Tautröpfchen auf ihrem Körper! Nebelstimmungen finden sich unterm Strich öfter in den Morgenstunden, auch wenn sie am Abend nicht aus zu schließen sind. Außerdem könnte man argumentieren, dass morgens viel weniger Spaziergänger unterwegs sind. So kann man oft einfach ungestörter arbeiten. Für mich hat der Sonnenaufgang klare Vorteile und eine ganz eigene Stimmung. Wenn ich kann (also wenn ich meinen Hintern hoch kriege) bevorzuge ich die Morgenstunden. Das soll nicht heißen, dass die Abendstunden keine Vorteile hätten. So sind z.B. abends viele Blüten noch geöffnet und somit fotogener als morgens. Am besten ist man sowieso zu beiden Zeiten vor Ort und nutzt somit den kompletten Tag aus!

So, und nun vielleicht noch ein mal ein stark bewölkter Tag ohne Niederschläge. So lange Licht ist, haben wir eine sehr weiche Ausleuchtung. Allerdings auch ohne großartig Akzente oder besonders tolle Lichtstimmungen. Nichts desto trotz lassen sich an bewölkten Tagen mit die besten (eigen-) Farben aus den Motiven kitzeln. Makrofotografen können sich den Diffusor sparen und Tierfotografen brauchen sich nicht um Motivkontraste kümmern.

Es gibt eben also keine gute Ausrede, keine guten Fotos zu schießen. Außer in bedeckten Nächten, weil da ist wirklich mal einfach gar kein Licht mehr...

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