Rund Rügen 2011

Wie jedes Jahr starteten auch dieses eine ganze Reihe Kielyachten (30 gemeldete Boote) zur Rund- Rügen Regatta. Wie der Name schon verrät handelt es sich um eine Langstreckenwettfahrt um die größte deutsche Insel. Start und Ziel war jeweils in Stralsund, Rügen wurde gegen den Uhrzeigersinn gerundet. Rund Rügen war nur eine von vielen Regatten, die anlässlich der 62. Stralsunder Segelwoche 2011 durchgeführt wurden.

Wir sind am Donnerstag den 02.06. (pünktlich zu Herrentag also) früh aus Wolgast („Tor zur Insel Usedom“) gestartet und haben das Boot nach Stralsund überführt. Einen nicht geringen Teil der Strecke sind wir unter Motor gelaufen, da absolute Flaute vorherrschte. Dafür hatten wir sehr sonniges und warmes Wetter, so dass es trotz Motorengebrüll gerade auszuhalten war. Nach einer ereignislosen Überfahrt sind wir am frühen Abend dann endlich in Stralsund angekommen. Über Nacht wurde auf dem Dänholm fest gemacht, und der Bordgrill musste uns noch schnell etwas essbares zaubern bevor die Nacht ein brach.

Am nächsten Morgen sind wir fast noch vorm Aufstehen um 8 Uhr durch den Brückenzug getuckert und haben im Stadthafen fest gemacht. Als jüngster dienst-habender Matrose hatte ich selbstverständlich die ehrenvolle Aufgabe Brötchen zu organisieren. Was soll's, ich lauf ja auch gern mal bisschen wild umher. Anschließend wurde also gefrühstückt und vor geschlafen, schließlich ging es ja die kommende Nacht durch. Das war gar nicht so einfach, bei dem Lärm des Rummels und der Fressbuden, in deren Mitte wir uns quasi befanden. Zwischendurch gab es noch ein Mittagessen auf dem Markt, ansonsten war es eher ein fauler Tag. Während unser Skipper Nachmittags zur Steuermannsbesprechung ist habe ich die Zeit genutzt zum Campus der FH zu pilgern, um dort über das WLAN einen letzten aktuellen Wetterbericht und Strömungsprognosen einzuholen. Zurück am Boot, unser viertes Crewmitglied war unterdessen eingetroffen, fing es an etwas hektischer zu werden. Segel wurden gewechselt, Schoten eingezogen und Leinen klariert. Bald ging es dann auch durch den 18 Uhr Brückenzug wieder zurück auf die Südseite des Strelasundes. Mit uns natürlich ein Großteil der Flotte, die zur bereits ausgelegten Startlinie eilte und sich vorbereitete.
Während der Startvorbereitung wurden noch hier und da Segel gewechselt, der Trimm verfeinert und na klar sich ordentlich angeschrienen. Bei uns blieb es jedoch eher ruhig und wir haben uns das Treiben aus 2. Reihe angesehen. Der erste Start um 18.30 Uhr war für die Klassen 1 und 2 reserviert, wir konnten also ersteinmal aus den Fehlern der anderen lernen. Nach dem der Startschuss ertönt war und sich die Boote von der Startlinie entfernt hatten guckten wir nicht blöd, dass schon fast alle Boote weg waren! Der Trend geht also unweigerlich in die Richtung, dass immer schnellere Boote gekauft werden und an den Start gehen. Die Boote mit einer Yardstickzahl über 102 (also der 2. Start) konnte man an einer Hand abzählen (es waren tatsächlich exakt 5 Boote). Nunja, uns sollte es nicht stören, schließlich war die Chance auf eine Platzierung somit besser.

Um 18.40 Uhr ertönte dann auch endlich unser Startsignal, wir konnten aus einer guten Position als erstes Schiff über die Startline gehen, und begaben uns auf die kurze Startkreuz zur Luvtonne. Nach wenigen Schlägen konnten wir diese recht rasch hinter uns lassen und haben sofort den Spi gezogen. Zum vor uns segelnden Feld aus dem 1. Start haben wir relativ rasch aufgeschlossen und fanden uns bald in direkter Konkurrenz und somit Geschwindigkeits- Vergleich wieder. Viele Renner sind natürlich sofort abgezogen und waren schnell außer Sichtweite. Den gesamten Strelasund ging es mit relativ schwachem (2 bis 3 Bft) Wind auf Vorwindkurs entlang während sich langsam die Sonne senkte. Als wir dann irgendwann auf dem Bodden ankamen drehte der Wind mehr nördlich und wir mussten den Spi bergen. Es war mittlerweile dunkel geworden und die erste Hälfte unserer Crew ging in die Koje. Zuvor gab es aber noch ein paar geschmierte Brötchen zur Stärkung für die Nacht. Zu zweit kreuzten wir dann bei etwas frischerem Wind über den Bodden, am Südperd vorbei bis nach Gören. Ab hier konnten wir wieder mit einem Anlieger die Küste entlang ablaufen. Das Spannende am Nachtsegeln ist, dass man seine Konkurrenz nicht direkt sehen kann. Aus einem kleinen Lichtlein muss man sich dann Kurs uns Geschwindigkeit ableiten, und danach taktisch handeln. Um halbwechs akkurat kreuzen zu können haben wir eine kleine LED- Lampe installiert um die Fock ausleuchten zu können, somit war ein Problem gelöst. Absolut finster war es sowieso nicht, neben den Städten die immer einen hellen Schein über sich zeigen konnten wir noch einen ausgesprochen klaren Sternenhimmel bewundern.
Durch den unterbrochenen Schlafrhythmus und das stundenlang angestrengte Gucken bei schwachem LED- Licht viel es dann doch schwer sich noch gut zu konzentrieren. Kurz vor Sonnenaufgang war dann Wachablösung und ich konnte ins Bett gehen.

Gegen 8.30 Uhr wurde ich dann durch merkwürdige rollende Bewegungen und schlagende Segel wach. Mir war klar, ohne den Kopf zu heben, dass wir in der Flaute lagen. Ich entschloss mich dann doch einmal „nach dem rechten“ zu sehen, und meine Befürchtungen hatten sich bestätigt. Einzige Beruhigung war, dass praktisch das gesamte Feld um uns herum auch in der Flaute lag und nicht vorwärts kam. Überall hingen die Spinnaker schlaff herunter (der Wind hatte weiter östlich gedreht), einige haben es auch ganz aufgegeben und sie eingeholt. Wir befanden uns gerade querab des Stubbenkammer hinter Sassnitz, sind also nicht wirklich voran gekommen. Ich entschloss mich nach ein paar Bildern an Deck in der Sonne weiter zu dösen, die Motivation war allgemein gering.
Es sollte noch 1,5 Stunden dauern, bis gegen 10 Uhr ganz langsam wieder etwas Wind aufkam. Sicherlich nicht viel, aber ausreichend damit die Segel stehen und es vorwärts geht. Einen positiven Einfluss hatte der Wind außerdem auf die Stimmung und Motivation an Bord. So sind wir dann recht gemächlich, aber mit schönem Spiwind, bis nach Arkona gelaufen. Der Wind nahm langsam aber kontinuierlich zu und drehte noch etwas weiter östlich, so dass wir ab Hiddensee / Dornbusch dann auf Gennaker gewechselt haben. So ging es die ganze Küste vor Hiddensee noch in guter Rauschefahrt entlang, bis das Fahrwasser nach Barhöft vor der Insel Bock abzweigte. Hier mussten wir dann auch bald den Gennaker bergen und sind die letzten Meter mit Genua gelaufen. Das Ziel befand sich nicht wie ausgeschrieben in Stralsund, sondern aufgrund einer Bahnverkürzung wegen Schwachwind vor Barhöft.
Ein einsamer Mensch auf einem kleinen Schlauchboot hat die Zeiten aufgeschrieben. Auf seinen wehleidigen und durstigen Blick (er hatte ja nicht einmal einen Sonnenschutz auf dem kleinen Ding) haben wir ihm eine Buddel Bier spendiert.

Die Rücktour bis nach Stralsund zog sich noch ein ganzes Stück, jedoch ließen wir es gemütlich angehen und haben unterdessen die Teilnehmer der Rund Hiddensee Regatta auf ihrer Rücktour nach Stralsund beobachtet. Dort angekommen gab es ersteinmal noch etwas zu essen vom Markt und anschließend eine Mütze voll Schlaf für 3 von uns. Unser viertes Crewmitglied zog es vor wieder nach Hause zu fahren. Abends fand dann die Siegerehrung statt, und wir konnten uns über einen ersten Platz in unserer Yardstickgruppe (welche immerhin aus 2 Booten bestand) und einen 2. Platz in der Gesammtwertung nach berechneter Zeit freuen. Der erste Platz der Gesammtwertung ging übrigens an einen modifizierten Vierteltonner, man kann nur immer wider staunen was alles in diesen eher plump wirkenden Booten steckt.

Während der Großteil der Segler die Veranstaltung feuchtfröhlich ausklingen ließ begaben wir uns rechtzeitig auf den Weg zurück in unsere Kojen. Am nächsten Morgen haben wir den 5 Uhr Brückenzug genommen und sind den Heimweg nach Wolgast angetreten. Zunächst unter Motor wegen fehlendem Wind, später konnten wir dann auch segeln. Es sollte trotzdem auch wieder recht spät werden da der Wind nicht übermäßig stark war.

Unterm Strich war es ein durchweg gelungenes Herrentags- Wochenende mit schönem Wetter. Außer etwas mehr Wind hätte man sich wirklich nichts wünschen können, sogar die Sache mit der Platzierung hat noch besser geklappt als erwartet.

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