Farbmanagement

Ein Bild wird im RAW- Format aufgenommen und anschließend so reell und natürlich wie möglich prozessiert. Es sieht gut aus am Bildschirm, der Fotograf ist sehr zufrieden. Noch schnell einen Abzug online bestellt und nach einer knappen Woche die Ernüchterung: der Abzug ist gelb stichig und viel zu dunkel, die Tiefen sind abgesoffen. „Dieser verfluchte Anbieter hat mein Bild total verkorkst!“ Stop, das ist so nicht ganz richtig, der Anbieter muss nicht (alleine) Schuld sein. Was ist hier passiert?

Ein großes Problem, welches mit der digitalen Technik aufkam: das Bild was man hatte (unabhängig von dem Weg / der Entwicklung des Bildes), war und ist nicht ohne weiteres so zu betrachten wie es ist. Das Dia oder den Abzug kann man eben einfach aus der Tasche ziehen und auf den Tisch legen – Fertig! Das Bild ist genau so wie es eben jeder sehen kann, der an diesem Tisch vorbei geht.
Mit einem digitalen Bilder verhält es sich jedoch so, dass es durch ein Ausgabegerät angezeigt werden muss. Dies ist im allgemeinen ein jeder Monitor, aber auch Drucker oder Laser- Ausbeleuchter für Silber- Fotopapier. All diese Geräte zeigen nicht zwingend genau die Farben an, welche auch im Bild definiert sind. Hierzu bedarf es erst einmal einer Kalibrierung des entsprechenden Gerätes. Im Prinzip wird dabei ein definierter Farbwert an das Gerät geschickt und dann mit einem kalibrierten Farbmessgerät (Colorimeter) die tatsächliche Ausgabe des Gerätes gemessen. Nun lässt sich ein einfacher Korrekturwert erstellen. Die Kalibrierung kann nun beliebig kompliziert und aufwändig sein, und ist dementsprechend auch nur beliebig genau. Nach einer einfachen Kalibrierung müssen die Farben also nicht zwingend genau passen. Allerdings ist eine aufwändigere Kalibrierung auch nicht zwingend ein Kriterium dafür, dass die Farben exakt getroffen werden.

Die Art des Ausgabemediums hat nämlich noch einen entscheidenden Einfluss auf die Farbwiedergabe. Bei Monitoren gilt es z.B. nicht nur zwischen Röhren- und Flachbildschirme zu unterscheiden, es gibt auch sehr viele verschiedene Panel- Typen bei letzteren. Die günstigsten und einfachsten Panel lassen sich nicht immer im gesamten Farb- und Kontrastspektrum genau kalibrieren, noch sind sie in der Lage alle erdenklichen Farben auch anzuzeigen. Nicht umsonst fangen die halbwegs guten Grafik- Monitore bei 500 EUR erst an. Bei den Druckern ist natürlich auch entscheidend auf welcher Art Papier gedruckt oder ausbelichtet wird. Jedes Medium muss einzeln kalibriert werden, am besten mit jeder frisch eingelegten Farbpatrone bei Tintenstrahldruckern, wenigstens aber nach einer gewissen Zeit. Und die Farbwirkung kann durchaus auf einer matten Oberfläche ganz anders wirken als auf einer glänzenden Oberfläche. Das Umgebungslicht hat natürlich auch keinen geringen Einfluss auf die Farbwiedergabe, sowohl bei Papier als auch beim Monitor. Eine Kalibrierung ist immer mit einem gewissen Fehler behaftet.

Wenn also der Monitor und der Drucker richtig kalibriert sind (also mit möglichst kleinem Fehler), kann das Bild so prozessiert und auch so ausgedruckt werden, wie es der Fotograf möchte. Als ein wichtiges Glied in einem funktionierendem CMS seien noch Farbprofile zu nennen (Dateiformat meist *.icc). Diese sind das Ergebnis einer Geräte- Kalibrierung und beinhalten die entsprechenden Korrekturfaktoren für das Anzeigegerät. Einige Hersteller von Anzeigegeräten bieten diese für ihre Produkte an. Es lohnt sich jedoch meistens das Gerät selber regelmäßig zu kalibrieren, da die Farbwiedergabe dieser sich auch mit der Zeit einfach ändert. Viele Anbieter von Druckdiensten, jedenfalls die sich Gedanken um seriöses CMS machen, stellen Ihren Kunden ihre Farbprofile ebenfalls bereit. Somit kann der Kunde Zuhause einen sogenannten Softproof durchführen, also den Druck am eigenen Rechner simulieren. Dies ist wichtig, weil nicht jeder Drucker unbedingt 100 % ig genau zu kalibrieren ist (mit dem verwendeten Papier und der entsprechenden Methode).

Wenn wir den Bogen zu unserem Eingangsproblem spannen, können wir also Festellen, dass wenigstens einer von beiden Parteien über kein funktionierendes CMS verfügt. Entweder zeigt der Monitor des Fotografen einfach zu blau und zu hell an, so dass der Fotograf das Bild einfach zu dunkel und zu gelb gemacht hat, damit es bei ihm gut aussieht. Oder aber der Anbieter hat zu dunkel und zu gelb stichig gedruckt. Es kann natürlich auch ein ein Mix aus beidem sein, wenn beide kein vernünftiges CMS implementiert haben. Gerade bei den günstigen („billigen“) Anbietern findet sich oft kein CMS, eben weil ihre Zielgruppe, die breite Masse, kein CMS hat. Und noch viel schlimmer ist, dass sie oft die Bilder noch in Kontrast und Farbe verändern bevor sie sie zu Papier bringen. Der Kunde freut sich ja, dass das Bild schön bunt und knackig ist. Der Kunde ist eben König. Ich weiß mittlerweile, dass mir die teureren Anbieter das Geld einfach wert sind. Lernen durch Schmerz sozusagen :)


Und, kannst du die Einsen erkennen? Falls nicht solltest du über ein CMS nachdenken...

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