Monitor kalibrieren

So, und Heute beschäftigen wir uns damit, wie die Standart- Kalibrierung eines Monitors aussehen kann. Was brauchen wir? Neben einem Monitor und einem funktionstüchtigen PC ist ein Colorimeter sehr angemessen. Dieses misst uns die ausgegebenen Farbwerte aus und ermöglicht die Erstellung von Korrekturfaktoren für den Monitor. Dann benötigen wir noch eine entsprechende Software, die das Messen automatisiert für uns übernimmt. Entweder kann man die Software nutzen die vom Hersteller mit dazu verkauft wird, oder aber man benutzt das offene Programm "Argyll CMS" so wie ich. Alle Linux- Nutzer werden das sowieso verwenden, da die Hersteller- Programme für gewöhnlich nicht unter Linux lauffähig sind. Argyll CMS befindet sich als fertiges Paket schon in den Paketverwaltungen vieler Distributionen (Ubuntu auf jeden Fall). Für alle Betriebssysteme gilt, dass die aktuellste Version entweder als Quellcode (zum selber Kompilieren) oder als bereits ausführbare Datei von der Homepage geladen werden kann.
Da für Linux noch keine grafische Oberfläche existiert wird das Programm übers Terminal benutzt. Aber nicht weiter wild, es sind nur ein paar Befehle. Also zuerst öffnen wir ein neues Terminal- Fenster und wechseln in das Verzeichnis in dem wir das Profil erstellen wollen. Ich empfehle vorher das versteckte Verzeichnis "/home/USER/.color/icc/" im eigenen Home- Ordner an zu legen (USER ist durch den entsprechenden Benutzernamen zu ändern). Es ist aber erst einmal total egal, wo man das Profil erstellt.
Im Terminal reicht folgender Befehl für den Wechsel:

cd /home/USER/.color/icc/

Nun befinden wir uns im Arbeitsverzeichnis. Bevor wir mit der Kalibrierung beginnen können müssen wir noch das Colorimeter an den USB- Port anschließen. Ich nutze dafür einen huey, welcher noch den Vorteil hat dass er mit einem Umgebungslichtsensor ausgestattet ist (genauere und bessere Kalibrierung). Es geht aber prinziepiell jedes Modell. Bei dem Modell Spyder 2 muss von der Installations- CD zuvor noch ein nicht freies Firmware geladen werden. Wie es sich mit dem neueren Spyder 3 verhält kann ich nicht sagen.

Nun beginnen wir aber mit der Kalibrierung (hier am Beispiel eines TFT- Monitors!):

dispcal -v -y l -q h -o TargetA

Wir werde aufgefordert das Instrument so zu platzieren, dass der Sensor möglichst mittig auf dem nun erschienenen Farbquadrat sitzt. Ein Tipp beim huey: nicht zu fest anpressen, die Saugnäpfer halten gut fest und das Ding wiegt auch nur wenige Gramm! Danach mit Enter bestätigen.
Nun können wir mehrere Optionen wählen, je nachdem was wir tun wollen.
Falls unser Colorimeter einen Umgebungslichtsensor hat beginnen wir mit Nummer 6) - „Ambient Light“ messen.

Es geht weiter mit 5) – „Check all“. Nach ein Paar Farbwechseln kommen wir wieder zur Auswahl. Es wurden ein paar Parameter grob gesetzt.

Den folgenden Schritt zur Kalibrierung machen wir mit der Nummer 7) - „Continue to Calibration“. Dies dauert jetzt ein wenig, da es mehrere Farbfelder sind die gemessen werden.

Im Arbeitsverzeichnis wurde nun eine Datei Namens „TargetA.icc“ erstellt. Den Hinweis, das Gerät zu entfernen, kann man ignorieren, da es gleich wieder gebraucht wird. „TargetA.icc“ enthält eine erste Näherung für den Monitor.
Mit folgendem Befehl werden nun die im Anschluss zu messenden Farben errechnet und in der Datei „TargetA.cal“ gespeichert.

argyll-targen -v -d3 -f836 DisplayA

Nun wird dieses Profil temporär geladen und weitere Optimierungen durchgeführt. Die soeben erstellten 836 Farben werden nun mit folgendm Befehl durchgemessen:

dispread -v -y l -k TargetA.cal DisplayA

Noch einmal mit Enter bestätigen, dass das Gerät richtig platziert ist (sollte es noch vom ersten durchgang sein). Jetzt kann man erst einmal Pause machen, das dauert eine ganze Weile...

So, gut gesättigt und ausgeschlafen geht es weiter. Ersteinmal kann das Gerät entfernt werden. Alles wurde vermessen und protokolliert. Im letzten Schritt wird dann das finale Farbprofil geschrieben:

colprof -v -D"Display A" -qm -as DisplayA

Die Datei „DisplayA.icc“ ist nun das Objekt unserer Begierde und enthält alle Korrekturfaktoren für unseren Monitor. Wir müssen sie nur noch richtig benutzen.
Ich beschreibe hier das Vorgehen unter Ubuntu Linux, bei anderen Betriebssystemen kann dies durchaus abweichen.

Zuerst empfielt es sich die Datei in das Verzeichnis "/user/share/color/icc/" zu kopieren (Administratorrechte nötig!), damit alle Programme dies auch schnell und einfach finden. Im Terminal geht das mit:

sudo cp /home/USER/.color/icc/DisplayA.icc user/share/color/icc/

Nun muss ein Teil des Profiles ersteinmal global angewendet werden. Die LUTs (Look Up Table) werden von der Grafikkarte verwendet und so die Kontraste erst einmal angepasst. Das Mitgelieferte Programm "dispwin" kann das:

dispwin /home/USER/.color/icc/DisplayA.icc

Jetzt muss jedes Programm, welches CMS unterstützt, das Profil zugewiesen bekommen. Dazu müsst ihr euch ein wenig durch die Einstellungen klicken. Was bei mir mit CMS läuft sind folgende Programme:

So, und das war es auch schon, jetzt sollte euer Monitor so mehr oder weniger farbverbindlich darstellen.

    Noch ein paar Anmerkungen:
  • die Kalibrierung bei dem Licht vornehmen, bei dem normalerweise auch die meiste Zeit an dem PC gearbeitet wird (Abends im Dunkeln bei Zimmerbeleuchtung?)
  • Während der Kalibrierung NICHT das Umgebungslicht ändern
  • Während der Kalibrierung möglichst keine direkten, harten Lichtquellen in Richtung Monitor platzieren
  • Nach der Kalibrierung die Einstellungen am Monitor nicht mehr manuell verändern (Kontrast oder Gamma anpassen)
  • es sieht jetzt alles sehr komisch und ungewohnt aus, aber es sind die RICHTIGEN Farben (Man gewöhnt sich schnell dran)
  • für weiteres Lesen empfehle ich den Ubuntuusers- Wiki Eintrag oder die Dokumentation zu "Argyll CMS" zu studieren

Wie kann ich nun das Farbprofil bei jedem Neustart automatisch anwenden? Ich erkläre wieder für Ubuntu:
Einfach einen Texteditor aufrufen und folgendes rein schreiben:

#!/bin/bash
dispwin /home/USER/.color/icc/DisplayA.icc

Die Datei im home- Verzeichnis speichern, z.B. als „cms.txt“. Die Datei muss ausführbar gemacht werden, also mit der rechten Maustate drauf, „Eigenschaften“ und im Reiter „Zugriffsrechte“ den Harken bei „Datei als Programm ausführen“ gesetzt.
Nun über „System > Einstellungen > Startprogramme“ gehen und „Hinzufügen“ wählen. „Namen“ und „Kommentar“ nach Belieben eintragen. In die Zeile „Befehl“ muss der Pfad zur Datei, die kann man komfortabel über Durchsuchen wählen. Das war es auch schon :)

Und, kannst du die Einsen erkennen? Falls nicht wird es wieder Zeit für eine Kalibrierung...

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