Was braucht ein Foto- Rechner?

Ich habe seit geraumer Zeit meinen Laptop für die Elektronische Bildverarbeitung (EBV) benutzt, musste jedoch sehr oft mit an sehen wie er sich quält. Ein großer Bildschirm war bereits vorhanden, also habe ich mich entschieden:

Es muss ein Tower für Zuhause her! Doch was kaufen, mein Budget war eher knapp?

Einen Discount- Rechner oder lieber einen High- End Gaming PC aus dem Fachhandel? Was braucht man wirklich um gut und vor allem Schnell mit seinen digitalen Bildern fertig zu werden? Ich behaupte weder der Discounter noch der Gaming- Bolide stehen in einem guten Preis- Leistungs- Verhältnis für Fotografen. Aber eins nach dem Anderen: Was brauchen wir?

    Nach Priorität geordnet:
  1. Viel viel viel Prozessorleistung
  2. Bustakt- Geschwindigkeit
  3. Arbeitsspeicher
  4. Festplatte

Wer merkt es? Richtig, eine Grafikkarte ist nicht aufgeführt. Selbstverständlich benötigt ein PC IRGEND EINE Grafikkarte um zu funktionieren, aber dafür reicht heutzutage Die Onboard- Grafikkarte des Mainboards mehr als aus. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich für fotografische Belange von einem Gaming- Boliden abraten würde. Diese enthalten meist eine sehr gute und deshalb auch sehr teure Grafikkarte. Das ist wichtig für Spiele, aber total unnütz für EBV. Es muss ja keine 3D- Umgebung mit über 25 Bbildern pro Sekunde gerendert werden, sondern das eine Bild wird einmal gerechnet und anschließend genau einmal neu aufgebaut. Das ist nämlich dann Sache des Prozessors. Wenn man das Geld übrig hat kann man Sie sich ja trotzdem rein bauen, aber dann nicht an den wichtigen Komponenten sparen. Eine Ausnahme muss ich erwähnen:
Falls die Software den Grafikprozessor (GPU) mit nutzen kann um um das Bild zu berechnen macht auch eine gute und schnelle Grafikkarte Sinn. Da das aber nur die wenigste Software kann (von mir gar keine) bleibt es im Foto- Bereich eher die Ausnahme (bei Video- Software ist es meines Wissens nach anders).
Bei vielen Discount- Rechnern ist es leider meist so, dass eine Komponente schlechter ist als das Niveau der anderen Komponenten und so das System aus gebremst wird. Es wird mit einer großen Festplatte und ganz viel Arbeitsspeicher geworben, aber der Prozessor oder die Busgeschwindigkeit des Mainboards schmrälern die effektive Leistung. Man muss also sehr genau hin schauen was man kauft.

Ich habe mich entschlossen mein System selber zusammen zu stellen und möglichst gut auf meine Bedürfnisse ab zu stimmen. Also zuerst zum Prozessor:
Hier ist und bleibt die Taktgeschwindigkeit das erste Kriterium. Selbstverständlich ist es auch wichtig mit welchen Technologien die Prozessoren Ihre Daten vor dem eigentlichen Rechnen Optimieren und aufbereiten (da haben die 2 großen Hersteller ja unterschiedliche Verfahren entwickelt mit unterschiedlicher Effizienz). In heutigen Tagen stellt sich dann noch die Frage ob Dualcore oder Quadcore (also 2 oder 4 Prozessorkerne). Dabei geht es in erster Linie wieder nach der verwendeten Software: Kann sie mehrere Kerne gut ausnutzen? Wenn ja dann ist ein Quadcore eine sehr gute Entscheidung. Falls nicht, dann läuft das Programm zur Zeit nur jeweils auf „einem Topf“ und die absolute Taktgeschwindigkeit ist ausschlaggebend für die Leistung. Also wenn die Software nicht auf Multithreading ausgelegt ist, so ist eindeutig ein Dualcore mit schnellerem Takt einem Quadcore mit weniger Takt vor zu ziehen. Das habe ich selber auch realisieren müssen (Probieren geht über Studieren) und hoffe nun darauf, dass die Softwareentwickler nach ziehen und mein Quadcore irgendwann einmal besser ausgelastet wird.
Der Bustakt entscheidet darüber wie schnell die Daten dem Prozessor aus dem Arbeitsspeicher zur Berechnung bereit gestellt werden können. Hier ist also beim Mainboard darauf zu achten, dass ein möglichst hoher Bustakt unterstützt wird und man sich somit hier keinen Flaschenhals ins System ein baut. Nach dem Bustakt sollte dann auch ein entsprechend schneller Arbeitsspeicher gewählt werden. Die ganze Kette vom Arbeitsspeicher über den Bustakt bis zum Prozessor und wieder zurück ist nur so schnell wie das langsamste Glied.
Auch die Speichergröße ist hier beim Arbeitsspeicher sehr wichtig. Sie wird um so wichtiger, je größer das Bild wird welches wir in den Speicher laden. Ein 14 Megapixel- Bild verlangt bereits doppelt so viel Speicher wie nur ein 7 Megapixel- Bild, der Trend zu immer höher auflösenden Sensoren ist bei den Digitalen ja seit Jahren absehbar. Und im Arbeitsspeicher befindet sich nicht nur das Bild an sich sondern auch das komplette Betriebssystem und das Programm, mit welchem das Bild geöffnet ist. Sollte der Arbeitsspeicher voll sein wird vom Betriebssystem ausgelagert, sprich bestimmte Daten temporär auf die Festplatte geschrieben. Und DAS dauert dann wirklich Ewigkeiten, nicht lustig. Gerade wenn man große Panorami bearbeitet kommt es leicht einmal zu diesem Phänomen, da man sich sehr schnell jenseits der 50 Megapixel (und weit darüber hinaus, mein höchstes waren ca. 150) wieder findet. Wichtig zu wissen ist noch, dass man mit einem normalem 32 Bit System praktisch nicht mehr als 3 „und ein bisschen“ GB nutzen kann. Alles was darüber hinaus geht verlangt nach einem 64 Bit Betriebssystem.
Der letzte Punkt ist die Festplatte. Klar muss sie groß sein um alle Bilder speichern zu können. Aber auch die Geschwindigkeit sollte nicht vernachlässigt werden. Mit einer SATA 2 oder besser SATA 3 Festplatte geht das Öffnen von Programmen und Laden von Bildern wesentlich schneller als noch mit einer IDE- Festplatte. Nicht zwingend essentiell, aber es macht mehr Spaß wenn es schnell geht. Wenn man 2 gleiche Festplatten in einen RAID 1 Verband bringt (also die Daten spiegelt) ergibt sich noch einmal eine (theoretisch) doppelt so hohe Geschwindigkeit. Nebenbei steigt die Datensicherheit an, fällt nämlich eine Platte aus so kommt es zu keinem Datenverlust. Alle Daten sind noch ein zweites mal auf der anderen Platte vorhanden (was in meinen Augen ein richtiges Backup aber nicht ersetzen kann!). Man muss nur damit leben, dass man halb so viel Speicherplatz nutzen kann wie man eigentlich gekauft hat.

Hoffentlich konnte ich ein Paar Anregungen geben wie man sich einen geeigneten Rechner zusammen stellt oder zusammen stellen lässt. Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, da ich meinen Laptop entlasten kann und ein Tower eben mit meinen Bedürfnissen (Speicher, Geschwindigkeit) immer mit wachsen kann und sich beliebig erweitern lässt. Die Bilder sind schneller abgefertigt und ich kann wieder mehr draußen unterwegs sein, anstatt in der Bude zu warten...

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