Panorama mit Hugin zusammensetzen

In meinem letzten Eintrag ging es darum, wie man am besten Einzelbilder für ein Panorama auf nimmt. Heute wollen wir doch mal sehen, wie wir die Einzelbilder mit dem freien Programm Hugin zu einem richtig schönen Panorama zusammen setzen können (Neudeutsch: stitchen).

Vorbereitung

Wir haben also ein paar schöne Bilder aufgenommen und diese bereits auf dem PC. Wichtig ist, dass die Bilder schon als jpg vor liegen (also wer im RAW- fotografiert muss diese zunächst entwickelt haben). Die Bilder liegen alle in einem uns bekannten Ordner, falls mehr Bilder vorhanden sind wissen wir welches das erste und welches das letzte Bild ist. Nun öffnen wir Hugin. Wer Hugin noch nicht installiert hat kann es sich schnell und unproblematisch herunter laden (sowohl für Linux, Mac als auch Windoofs verfügbar!). Ein Hoch auf freie Software!

Erster Schritt: Automatik

Sobald das Programm geöffnet ist laden wir die Bilder ein, das geht im ersten Reiter über die Schaltfläche „Bilder laden“. Das Laden geht sehr schnell, der nächste Schnitt dauert etwas länger. Mit einem Klick auf „Ausrichten“ fängt das Programm an alle Bilder mit einem Algorhitmus nach identischen Bildelementen zu suchen (falls es nicht automatisch damit beginnt). Es weiß nach dem Durchgang meistens welche Bilder zusammen gehören und wie. Das nimmt einem zunächst sehr viel Arbeit ab. Dieser Rechenintensive Schritt kann aber je nach PC, Anzahl der Bilder und Bildauflösung ein wenig dauern.

Zweiter Schritt: Kontrolle

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wir können kurz die Schnellansicht aufrufen (falls sie sich nicht schon automatisch geöffnet hat) und auf den ersten Blick gucken ob die Bilder gut zusammen passen. Falls nicht, wechseln wir in den Reiter „Kontrollpunkte“ im Hauptfenster. Hier werden uns identische Bildbereiche, sogenannte Kontrollpunkte, zwischen jeweils 2 Benachbarten Bildern angezeigt. Diese wurden zuvor im Schritt „Ausrichten“ automatisch gefunden. Wir können diese hier verändern, löschen oder ganz neue hinzu fügen. Kontrollpunkte sollten immer an klaren Ecken oder eindeutig identifizierbaren Elementen im Bild gesetzt werden. Wolken, Leute oder Fahnen sind ungeeignet, weil sie ihre Position zwischen 2 Aufnahmen verändert haben können. Ein gepflasterter Bürgersteig kann auch schnell verwirren, weil alle Fugen gleich aus sehen. Kaugummis und Zigarettenstummel können hier zur Orientierung Gold wert sein! Wichtig für die Güte der Ausrichtung ist noch wie die Kontrollpunkte verteilt sind. 20 Stück auf einem kleinen Haufen sind weniger fruchtbringend als 4 über den gesamten Überlappungsbereich gleichmäßig verteilte Punkte.

Ein wichtiges Kriterium, wie gut 2 Punkte eigentlich passen, gibt uns in der Liste unterhalb der Bilder die Spalte „Abstand“. Da nie alle Punkte immer absolut perfekt sitzen (Ungenauigkeit und Irrtum im Algorhitmus oder bei der manuellen Festlegung der Punkte, eventuell noch ein minimaler Paralaxeneffekt von der Aufnahme?) muss das Programm einen Kompromiss machen. Die Bilder werden vom Hugin so zusammen gefügt, dass der mittlere Fehler (= Abstand) zwischen allen Kontrollpunkten möglichst klein ist. Je kleiner der in der Tabelle angegebene Abstand (=Fehler) ist, desto besser passen die Punkte also. Im Idealfall sollte der Abstand zueinander jeweils Null sein, das bleibt aber leider eher eine Illusion.

Nicht vergessen, dass bei n Bildern auch wenigstens n-1 Überlappungsbereiche zu kontrollieren sind. Also einfach an alle Bilder denken!

Dritter Schritt: Objektivfehler

Oftmals kann der Fehler noch beträchtlich verkleinert werden, wenn nicht nur die Position der Bilder zueinander sondern auch Verzeichungen der Einzelbilder korrigiert werden darf. Dazu reicht ein Klick auf den Reiter „Optimieren“. Hier wird nun die entsprechende Optimimierungsvariante aus dem Drop- Down Menü ausgewählt (ich nehme meist „Alles optimieren“) und mit „Optimierung starten“ die Berechnung gestartet. Nach relativ kurzer Zeit kommt ein Fenster, welches noch über den mittleren Abstand (=Fehler) der Punkte informiert. Man kann diese Änderung nun annehmen oder aber verwerfen und seine Kontrollpunkte noch einmal überdenken. Selbstverständlich kann dieser Schritt immer wieder und beliebig oft wiederholt werden. Ein Kontrollblick in das Vorschaufenster lohnt sich meistens.

Vierter Schritt: Ausrichtung und Beschnitt

In dem Vorschaufenster ist das Bild jetzt erst einmal irgendwie angeordnet. Ich habe hier einmal die Einzelbilder angefärbt, wie man sieht überlappen in diesem einen Bereich sogar 3 Bilder, wodurch mir eine sehr gute Ausrichtung möglich war. Die Bilder sind nicht mehr rechteckig, weil die Objektivverzeichnung bereits korrigiert wurde. Wir sehen weiter, dass der Horizont alles andere als gerade ist und das Bild angeschnitten ist. Wir wechseln in den Reiter „Bewegen / Ziehen“.

Mit einem Linksklick können wir das Bild in die Mitte ziehen. Durch einen Rechtsklick und Ziehen der Maus wird das Bild gedreht bis der Horizont gerade ist. Mit den Reglern am unteren und rechten Bildrand können wir ggf. noch die Zoomstufe anpassen, also falls das Bild zu klein oder zu groß ist, einfach mal mit rum spielen. Wenn hier alles passt gehen wir noch in den Reiter „Beschnitt“. Hier können wir die Grenzen des Panos fest legen, und ruhig schon einmal etwas weg schneiden was wir sowieso nicht gebrauchen können. Ich habe hier nicht alles weg geschnitten, z.B. im Himmel, weil ich die Masten nicht abschneiden wollte. Später habe ich durch Einstempeln dann diese kleinen Bildbereiche kopiert (eigtl. nicht meine Art :( ). Man sieht also: immer mit ausreichend Reserve Panos aufnehmen ist nicht nur so ein Spruch!

Fünfter Schritt: Ausgabe

In der Schnellansicht hätte man noch die Projektionsmethode ändern können (Reiter „Projektion“), was aber nur im seltensten Fall nötig ist. Bei mir steht sie eigtl. Immer auf „Equirectingular“, weil meiner Meinung nach dabei die natürlichsten Ergebnisse heraus kommen. Aber ich spiele auch ab und an mal rum und versuche andere Methoden, Probieren geht über Studieren!

Wenn nun alles schick ist gehen wir in das Hauptfenster zurück und nehmen uns den Reiter „Zusammenfügen“ vor. Zuerst ist ein Klick auf „Optimale Größe berechnen“ obligatorisch. Das stellt sicher, dass das Pano auch in maximaler Auflösung aus gegeben wird. Wieso das Programm das nicht automatisch macht weiß ich leider auch nicht, aber ohne diesen Klick würden einfach weniger Pixel aus gegeben werden. Wir können nun wählen was er aus geben soll, am meisten Sinn macht aber die erste Option des Panos mit niedrigem Dynamikumfang. Das Dateiformat kann ruhig auf TIFF stehen bleiben, das Bild muss sowieso noch einmal bearbeitet werden. Da macht ein Verlustloses Bildformat wie TIFF auch Sinn. Nun können wir unten auswählen ob wir es sofort zusammen rechnen wollen oder erst später mit der Stapelverwaltung. Die Stapelverwaltung hat den Vorteil, dass wir 5 oder von mir aus 50 Panos nacheinander fertig ausgeben können. Diese werden dann zusammen gestartet und nacheinander zum fertigen TIFF umgerechnet. Wir können währen dessen dann etwas essen oder sonnst was machen gehen, Zeit ist ja schließlich Geld :) . Das Zusammenfügen ist noch einmal ein sehr rechenintensiver Schritt, und dauert daher entsprechend.

Sechster Schritt: Feinschliff

So, wir haben unser TIFF. Das können wir jetzt ganz normal mit Gimp oder welchem Rastergrafikprogramm auch immer öffnen und unserem Workflow entsprechend verfeinern (Nachschärfen, Kontrast anpassen, Sensorflecken entfernen, kleine Lücken auffüllen, Entrauschen, ...). Wichtig ist hier noch einmal in voller Auflösung zu kontrollieren, ob alle Bildübergänge wirklich gut sind. Falls nicht müssten noch einmal die Kontrollpunkte verfeinert und das Pano entsprechend noch einmal aus gegeben werden. Wenn alles fertig ist bietet es sich an das Bild als JPG zu speichern, da dieses Format wesentlich weniger Speicherplatz weg nimmt. Ich lösche nun auch immer das speicherhungrige TIFF- Bild, weil ich es jeder zeit wieder mit Hugin aus geben lassen kann. Fertig ist es!

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